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Der Hohe Berg

Adresse

28857 Syke
Telefon: 04242 164-416
Telefax: 04242 164-7416
E-Mail: A.Hanel@syke.de

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Syke Hoher Berg

Syke Hoher Berg

Zur Geschichte des Hohen Berges
Auf dem 4,8 Hektar großen Gelände wurde Mitte der 70iger Jahre, zur Zeit des Kalten Krieges, von den US-Streitkräften eine Flugabwehr-Raketenstation errichtet. Auf dem höchsten noch vorhandenen Wall standen auf den Betonplatten Radarkugeln, die „den Feind" orten sollten. Mitte der 80iger Jahre verließen die amerikanischen und 1987 die deutschen Soldaten die Stellung.
In den Folgejahren wurde das ehemalige Militärgelände landwirtschaftlich genutzt. Im Jahr 2004 erwarb die Stadt Syke das Gelände. Mit Unterstützung von EU-Mitteln wurde das Projekt „Kulturlandschaft der Geest" (s. Infotafel am Eingang des Geländes) entwickelt.
Um die bereits vorhandenen Angebote auf dem Hohen Berg zu verbinden und zielgerichtet für den naturnahen Tourismus weiter zu entwickeln, hat die Stadt daher im Jahr 2008 mit der Fachhochschule Bremen, Fachbereich Architektur, einen studentischen Ideenwettbewerb ausgelobt mit dem Ziel, einen professionellen Entwurf für einen „Naturerlebnisturm“ zu entwickeln. Bereits drei Jahre später konnte der neu erbaute Aussichtsturm eingeweiht werden.
Durch die natürlichen Gegebenheiten bietet der Hohe Berg eine bis zu 30km weite Sicht über die Geestlandschaft nach Bremen.
Der 12m hohe Naturerlebnisturm führt die Besucher auf 75m über NN. Von dort genießen diese eine 360 Grad Rundumsicht sowohl über die einzigartige Endmoränenlandschaft der Geest als auch auf die im Konversionsprozess neu geschaffenen Biotopstrukturen.
Der Naturerlebnisturm ist ein Alleinstellungsmerkmal für die Region durch seine besondere Lage am Geestrand und bietet den Besuchern ein in Norddeutschland einzigartiges Landschaftserlebnis.

Naturerlebnis und Naturgenuss
Vom Wall aus, 63 m über dem Meeresspiegel, lassen sich die vielfältige Geestlandschaft, die Niederungsbereiche der Hache und weiter entfernt Europäische und benachbart gelegene Landschaftsschutzgebiete erkennen. Jede Himmelsrichtung bietet ein anderes Naturerlebnis. An diesem Ort lässt sich die Weite fern ab vom Zivilisationslärm erleben.
In den letzten Jahren wurden auf dem Gelände die verschiedensten Biotope und Kleinstlebensräume neu geschaffen, von denen ein Teil frei zugänglich ist:
Streuobstwiesen alter traditioneller Sorten wurden sowohl im eingezäunten Bereich als auch im frei zugänglichen Bereich angelegt. Sie sind ideale Jagdreviere für Fledermäuse, Nahrungsquelle für verschiedene Insektenarten und mit zunehmendem Alter der Bäume ideale Brutreviere für Steinkäuze. Wer mag, kann die verschiedenen Früchte der Obstbäume probieren.
Im Norden und Osten des Geländes bieten die Heckennetze Säugetieren und Tieren der offenen Feldflur Nahrung und Unterschlupf. So nutzen in Hecken brütende Vogelarten sie als Brutraum und Nahrungsquelle; Schmetterlinge, Käfer und Heuschrecken lieben die Krautsäume vor den Hecken. Durch die extensive Nutzung großer Areale des Geländes haben sich verschiedene Wildkräuter wieder angesiedelt: Hopfenklee, Rainfarn, Wiesenmargerite, Schafgarbe, Wiesenkerbel und viele andere Kräuter bereichern die Artenvielfalt.
Im eingezäunten Naturentwicklungsbereich sind Biotope weiterentwickelt oder neu gestaltet worden. Hierbei handelt es sich um Kleingewässer mit typischen Ufer- und Wasserpflanzen. Ein Lehrpfad mit geesttypischen Gehölzen wurde angelegt, Sommerquartiere für Fledermäuse, Totholzhaufen und extensiv genutzte Wiesenflächen. Eine kleine Herde vom Aussterben bedrohter Schafrassen des rauhwolligen Pommerschen Landschafes und des Coburger Fuchsschafes beweidet das Gelände.
Die Schafherde wird ganzjährig vom naheliegenden Archehof Evers betreut und versorgt. Vom zeitigen Frühjahr bis zum Spätherbst können die gesundheitlich sehr robusten Tiere im Freien gehalten werden. Bei Futterknappheit wird zu gefüttert.
Im Laufe der Zeit hat sich eine vielfältige Vogel- und Insektenfauna eingestellt. In den Bäumen und Sträuchern halten sich Zaunkönige, Grün- und Buntspechte, Meisen und Haussperlinge auf. Die Sperlinge nutzen die vom NABU aufgehängten Vogelnistkästen. Schafstelzen und Goldammern sind auf dem Gelände zu entdecken, und Rebhühner und Fasanen nutzen das Samenangebot der verschiedenen Gräser und Kräuter. Sie sind häufig bei den Benjeshecken anzutreffen. Als Durchzügler wurden die Vogelarten Braunkehlchen und Steinschmätzer beobachtet, die hier entsprechende Lebensraumverhältnisse vorfinden. Turmfalken und Mäusebussarde benutzen die Hohen Bäume und Gebäude als Ansitzwarten für die Jagd.
In den Kleingewässern kommt der Kammmolch bereits vor, der große Bedeutung für Natura 2000 - ein zusammenhängendes ökologisches Netz europäischer Schutzgebiete - hat. Der Kammmolch steht als Amphibienart auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, da die Populationsbestände in Europa immer weiter zurückgegangen sind.
Die Wildkräuter und Gräser ziehen eine Vielzahl Schmetterlinge und Heuschrecken an. Zitronenfalter, Aurorafalter, Admiral, Distelfalter und weitere Arten finden genügend geeignete Kräuter und Gräser zur Eiablage. Aufgrund der extensiven Schafbeweidung können sie die verschiedenen Entwicklungsstadien bis zum Falter durchlaufen und sich reproduzieren. Die Teiche und Obstwiesen als sind Jagdreviere der Fledermäuse, die bei Tage in den vom NABU an einem Gebäude aufgehängten Kästen schlafen.
Eine Vielfalt an Wiesen- und Wegeseitenrandkräutern hat sich entwickelt, über 30 verschiedene Arten. Darunter sind der Storchschnabel, Feld- und Hasenklee, Rainfarn, Hahnenfuß, Beifuss, mehrere Distelarten und viele mehr.
Besonders alte Apfel-, Birnen und Kirschenhochstammsorten wie z.B. Danziger Klarapfel, Moringer Rosenapfel, Kaiser Wilhelm Apfel, Diels Butterbirne, Großer Katzenkopf, Pastorenbirne, Große Schwarze Knorpelkirsche und Spanische Knorpelkirsche sind interessant für Insekten und Früchte fressende Tierarten.
Vier europäische Schutzgebiete, sogenannte Fauna-Flora-Habitatgebiete (FFH-Gebiete), liegen nur wenige Kilometer von diesem Aussichtspunkt entfernt. Es handelt sich um Lebensräume bestimmter Pflanzen- und Tierarten, die in Europa in einer ausreichenden biologischen Vielfalt vorhanden sein müssen, um ein weiteres Aussterben von Arten zu verhindern.
Im Nordosten ist es das kleinste europäische Schutzgebiet, die 3,5 ha große
„Okeler Sandgrube". Von einer Verwallung an der Straße „An der Beeke" ist ein guter Einblick in das schützenswerte Gebiet möglich. Eine Informationstafel vor Ort beschreibt die in und an der ehemaligen Sand- und Kiesgrube lebenden Tier- und Pflanzenarten. Hier gibt es das größte Vorkommen von Fadenenzian in Norddeutschland. Weitere interessante Pflanzenarten sind der Pillenfarn, der Sonnentau und Kleinseggen.
Östlich des Standortes im Ortsteil Barrien gibt es das nur 17 ha große Amphibienbiotop „Friedeholzer Schlatt". Das nährstoffreiche Stillgewässer bietet im Verbund mit Feuchtgrünland, Sumpf und einem Eichenjungwald ideale Lebensbedingungen für den Kammmolch. Dieses Gebiet ist eines der größten Kammmolch-Vorkommen in Niedersachsen. Weitere besondere Arten sind der Laubfrosch und die Sumpfschrecke. Das Gelände kann nur von außen eingesehen werden.
Südlich des Hohen Berges verläuft das ca. 250 ha große Hachetal mit dem kleinen Flüsschen Hache und ausgedehnten naturnahen Erlenbrüchen und Erlen- und Eschenwäldern. Es erstreckt sich vom Ortsteil Syke südlich bis nach Jardinghausen.
Südwestlich vom Hohen Berg, am Fahrenhorster Weg, befindet sich auf einer Fläche von ca. 160 ha das Kammmolch-Biotop „Südlich Sörhausen". Hierbei handelt es sich um ein Mosaik, bestehend aus Grünlandbereichen, Waldflächen und nährstoffreichen Kleingewässern. Das Gelände dient vorrangig der Sicherung der Lebensräume des Kammmolches. In den nährstoffreichen Stillgewässern kommen Laichkraut- und Froschbissgesellschaften vor.
Der Hohe Berg steht im Verbund mit anderen Wäldern, die unter Landschaftsschutz stehen. Im Norden und Nordosten ist es der „Gesseler Spreken", im Osten das „Friedeholz" mit dem „Syker Vorwerk", im Süden die „Westermark" und im Westen das mit rund 2.300 ha größte Landschaftsschutzgebiet „Hombach-Finkenbach-Klosterbach". Die Waldgebiete laden zur Erholung, zum Spazierengehen oder Radfahren zu jeder Jahreszeit ein. Den Gesseler Spreken, die Westermark und das LSG Hombach-Finkenbach-Klosterbach erreichen Sie mit dem Rad über die Fledermausroute. Das Friedeholz liegt an der Krötenroute.
Es lohnt sich, den Hohen Berg zu besuchen - nicht nur wegen der einzigartigen Aussicht auf das Urstromtal der Weser und die Hansestadt Bremen -, sondern auch wegen der Einbindung in die landschaftlich reizvolle Geestlandschaft und das einmalige Erlebnis von Weite und Natur.
Das Gelände steht auch Kleingruppen für Feiern zur Verfügung, und die Feuerstelle darf genutzt werden (bitte Hinweise vor Ort beachten). Hierfür ist eine Anmeldung bei der Stadt Syke nötig.

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