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Wellier Schleife

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Wellie
31595 Steyerberg
Telefon: 05021 967351
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Wellier Schleife

Wellier Schleife

Die „Wellier Schleife“ ist ein Altarm der Weser und wurde im Zuge der Weserbegradigung 1960 von der Weser abgeschnitten. Sie hat sich seitdem zu einem auentypischen Altwasser und damit zu einem bedeutsamen Lebensraum für gefährdete Tier- und Pflanzenarten entwickelt.

Ein Altwasser ist ein Gewässerarm, der außerhalb der Hochwässer nicht mehr durchflossen wird. Die „Wellier Schleife“ ist durch einen künstlichen Damm einseitig vom Hauptstrom der Weser getrennt, sie ähnelt daher eher einem stehenden Gewässer. Die ufernahen Bereiche werden zunehmend mit Schwimmblattpflanzen und Röhricht besiedelt und verlanden allmählich.

Eine botanische Besonderheit sind die großen Bestände des Schlammkrauts (Limosella aquatica). Diese unauffällige, in Niedersachen gefährdete Art besiedelt Schlammufer im sommerlich trocken fallenden Wasserwechselbereich. Im länger überstauten Bereich finden sich mit der Schwanenblume (Butomus umbellatus), dem Wasser-Schwaden (Glyceria maxima), dem Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea) und der Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus) einige Verlandungszeiger.

Bedeutung als Vogelbrutgebiet hat die „Wellier Schleife“ über die Gründung einer Schlaf- und Brutkolonie von Kormoranen erhalten, die als die bedeutendste im niedersächsischen Binnenland gilt. Die Brutkolonie befindet sich in der hohen Pappelreihe entlang der Uferlinie und ist weitem gut zu erkennen.

Ähnlich wie das international bedeutende Feuchtgebiet an der Staustufe Schlüsselburg und die Seenplatte im Naturschutzgebiet „Domäne Stolzenau Leese“ sind die Wiesen und das Altwasser der „Wellier Schleife“ ein wichtiges Überwinterungsquartier für gefährdete nordische Wasservögel. Auch weiter ziehende Vögel, die sich an der Weseraue als Leitlinie orientieren, ruhen hier und nehmen Nahrung auf, bevor sie die Mittelgebirgsstufe in Richtung Süden passieren.

Seit Juni 2001 ist der gesamte Bereich des 260 ha großen Naturschutzgebietes unter der Bezeichnung Europäisches Vogelschutzgebiet V 43 „Wesertalaue bei Landesbergen“ Bestandteil des ökologischen Netzes Natura 2000*.

Darüber hinaus befinden sich innerhalb des Naturschutzgebietes wichtige Jagdgebiete der Teichfledermaus (Myotis dasycneme), die im Januar 2005 unter der Kennung 289 „Teichfledermaus-Gewässer im Raum Nienburg“ als FFH-Gebiet* an die Europäische Union gemeldet wurden.

*Natura 2000 ist ein zusammenhängendes ökologisches Netz von Schutzgebieten in Europa. Natürliche und Natur nahe Lebensräume und gefährdete wildlebende Tiere und Pflanzen sollen hier geschützt und erhalten werden. Das Netz Natura 2000 wird aufgebaut aus Gebieten gemäß der FFH-Richtlinie (FFH-Gebiete) und der EG-Vogelschutzrichtlinie (EG-Vogelschutzgebiete), wobei sich die beiden Gebietskategorien durchaus auch überlappen können. Das Kürzel FFH steht dabei  für Fauna = Tierwelt, Flora = Pflanzenwelt, Habitat = Lebensraum bestimmter Tier- und Pflanzenarten.  

 

Der Kormoran (Phalacrocorax carbo)

Der schlanke Vogel mit dem schwarz schillernden Gefieder erreicht eine Flügelspannweite von durchschnittlich 135 cm.

Die Nahrung der Vögel besteht fast ausschließlich aus kleinen bis mittelgroßen See- und Süßwasserfischen, die er lebend erbeutet. Kormorane sind daher an Wasser gebunden; die Brutkolonien liegen sowohl an Meeresküsten als auch an den Ufern größerer Flüsse und Seen. Als Nahrungskonkurrent empfunden, wurde der Kormoran durch massive menschliche Verfolgung in Europa stark zurückgedrängt -

im mitteleuropäischen Binnenland war er zeitweise fast ausgerottet. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Bestände allmählich erholt.

Der Kormoran jagt tauchend. Tauchgänge werden meist mit einem kleinen Sprung eingeleitet. Die Tauchdauer beträgt 15 bis 60 Sekunden in Tiefen von 1 bis 3 Metern. Unter Wasser bewegt sich der Kormoran mit den Füßen fort, Fische (überwiegend Weißfische) werden dann mit dem Hakenschnabel hinter den Kiemen gepackt.

Kormorane brüten in Kolonien. Die Nester werden im Binnenland überwiegend auf hohen Bäumen an Gewässern aus Ästen, die abgebrochen oder aus dem Wasser geholt werden, von beiden Partnern angelegt. Kormorane brüten erstmals im Alter von 3 oder 4 Jahren. Die Brutpaare leben überwiegend in einer monogamen Saisonehe.

Das Gelege besteht in der Regel aus 3 bis 4 Eiern, die von Ende April bis in den Juni hinein gelegt werden. Beide Partner brüten und die Jungvögel werden auch gemeinsam mit hochgewürgten Fischen gefüttert. Nach dem Ausfliegen wird der Nachwuchs noch 11-13 Wochen lang von den Eltern versorgt, bis er sich selbst mit Nahrung versorgen kann.

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