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Evang.-luth. Marienkirche Leeste

Adresse

Henry-Wetjen-Platz
28844 Weyhe-Leeste
Telefon: 0421 803814
E-Mail: Kg.leeste@evlka.de
Website: www.kirche-weyhe.de/leeste

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nach telefonischer Absprache

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Evang.-luth. Marienkirche Leeste

Evang.-luth. Marienkirche Leeste

Die Marienkirche im Ortsteil Leeste ist der geistliche Mittelpunkt des evangelisch-lutherischen Kirchspiels Leeste, das aus den Weyher Ortsteilen Angelse, Erichshof, Hagen, Hörden, Leeste und Melchiorshausen gebildet wird.

Nachdem das mittelalterliche, im 16. Jahrhundert erweiterte Kirchenschiff 1776 oder 1777 abgebrochen worden war, wurde an dessen Stelle ein klassizistischer Saalbau errichtet. Das Backsteingebäude mit seinen fünf Fensterachsen konnte bis 1780 fertiggestellt werden. Die Arbeiten an der Innenausstattung jedoch kamen erst zwei Jahre später zum Abschluss. Höhepunkt war der Einbau des Kanzelaltars aus der Werkstatt des Holz- und Steinbildhauers Johann Friedrich Blasius Zisenis in Hannover, der 1782 erfolgte.

Reste des mittelterlichen Gotteshauses sind im Kirchturm bewahrt.

Aus vorreformatorischer Zeit stammt die älteste, mehr als 900 Kilogramm schwere Glocke. Sie wurde 1516 gegossen und trägt den Namen der Muttergottes. Die Bezeichnung „Marienkirche“, die sich im Verlauf der 1950er und 60er Jahre einbürgerte, geht auf den Glockennamen zurück; der Name des mittelalterlichen Schutzpatrons ist nicht bekannt.

Die Geschichte der Leester Marienkirche im Überblick

2. Hälfte der Erste Erwähnung des Siedlungsplatzes Leeste Sie bezieht sich 1180er Jahre auf einen Meier- bzw. Haupthof („curtis“) des Kapitels der Bremer
St.- Ansgari-Kirche.

1507 Obgleich sich am Standort der Marienkirche bereits seit Jahrhunderten ein Gotteshaus befunden haben muss, taucht die „kerken to leeste“ erstmals in einer Urkunde des Klosters Heiligenrode vom 12. Januar 1507 alten Stils auf. Die Leester Kirche untersteht der Dompropstei zu Bremen. Ein Patrozinium wird nicht erwähnt.

1516 Die große Glocke wird neu gegossen. Sie trägt folgende mittelniederdeutsche Inschrift: „wen ick maria werde gheluth gades denst dat bedut sick manich sunder moge bekere[n] gade to laue und marien to eren“ („Wenn ich, Maria, werde geläutet, das Gottesdienst bedeutet [und] sich manch Sünder möge bekehren, um Gott zu loben und Maria zu ehren“). Sie hat den Ton „f“ und wiegt über 900 kg. Unterer Durchmesser und Höhe betragen 1,18 m.

Um 1530 Die Reformation, von dem Landesherrn, Graf Jobst II. von Hoyamassiv vorangetrieben, erfasst das Kirchspiel Leeste vermutlich zwischen 1525 und 1530. Erster lutherischer Geistlicher ist Hermann Rischmann oder Rishelmann. Möglicherweise hat er bereits zuvor als katholischer Pfarrer in der Gemeinde gewirkt.

2. Hälfte des Nach einer Mitteilung aus dem Jahr 1774 ist das mittelalterliche
16. Jahrhunderts Kirchenschiff 200 Jahre zuvor durch einen „Flügel von Holtz gegen Norden“ (durch einen Fachwerkanbau?) erweitert worden. Er trägt im 18. Jahrhundert die Bezeichnung „neue Kirche“, ist etwas mehr als 7 Meter lang und gut 6 Meter breit. Die „alte Kirche“ bedeckt eine Fläche von 21,2 mal 6,7 Meter.

1696 Pastor Johann Friedrich Milde berichtet, dass es in seinem Pfarr-
Bezirk nicht an „ruchlosen Sündern“ mangeln würde. So habe „Cordt Boße seiner Mutter die Zähne ausgeschlagen“. Er sei deshalb auf dem Kirchhof mit der linken Hand an den Pranger „geschloßen worden“, ohne allerdings die geringste Reue zu zeigen. Lautstark habe er noch am Pranger gedroht, er „wolle mit der rechten die Mutter noch beßer zurichten“.

1712 Im Kirchspiel Leeste werden 1244 Einwohner gezählt. Allein 889 Personen leben in bäuerlichen Haushalten und 394 Personen in Häuslerfamilien.

1774 Zimmermeister Johann Christian Timpner aus Blender legt Pläne
und einen Kostenvoranschlag für ein neues Gotteshaus vor.
1775 Laut Einwohnerzählung leben im Kirchspiel Leeste 1025 Menschen.

1776 Anlässlich der Visitation am 24. Juli notiert ein Protokollant: „Das Kirchen Gebäude ist in den baufälligsten Umständen …“ Wenig später folgt der Abriss der „neuen“ und „alten“ Kirche.

1777-1780 Das Kirchenschiff wird neu errichtet, höchstwahrscheinlich unter Verwendung der 1774 von Zimmermeister Timpner eingereichten Entwürfe. Es entsteht ein klassizistischer Saalbau mit fünf Fensterachsen. Sowohl die beiden Seitenportale als auch die Fensterlaibungen werden aus Barsinghausener Sandsteingefertigt. Über den mittleren Sitzreihen und dem Chor erstreckt sich ein hölzernes Tonnengewölbe.

1782 Der Kanzelaltar aus der Werkstatt des Holz- und Steinbildhauers Johann Friedrich Blasius Zisenis in Hannover wird eingebaut.

1783 Am 30. Mai, einen Tag nach der Einführung des Pfarrers Johann
Justus Holzmann, findet die Einweihung des fertig gestellten Predigthauses statt.

1785 Am 14. Juli notiert der Leester Schullehrer und Küster Georg Wilhelm Neumann, „daß unser Thurm dergestalt angfängt schadthaft zu werden, daß man … beym starken Winde nicht sicher vorbey gehen könne“. Der mit Dachziegeln gedeckte Turm wird daraufhin – zwischen 1785 und 1790 – fast vollständig abgebrochen. Die alten Mauern bleiben bis zu einer Höhe von etwa sechs Metern erhalten.

1811 Leeste erhält eine neue kleine Glocke. Ihr Durchmesser beträgt 110 cm, ihre Höhe ebenfalls 110 cm. Sie ist, nach einem 1892 erstellten Inventar, mit folgenden Inschriften versehen: „Herr J.G. Conrad Meyer Superintendent zu Weihe. August Wilhelm Stelling Amtmann zu Sycke. Christian Wilhelm Raven Pastor zu Leeste.Georg Hermann Wilhelm Neumann, Cantor“ – „Harm Vos und Claus Schulte, Kirchenjuraten. Johann Meyer oder Bollmann, Bauermeister F. Holdhausen u. C. Bosse Geschworne. Gegossen von Johann Philipp Bartels in Bremen 1811.“ Die Glocke muss 1916 für Rüstungszwecke abgeliefert werden.

1852 Knapp 2750 Mitglieder zählt die Kirchengemeinde Leeste trotz einer Auswanderungswelle in den 1840er Jahren. Die aus Holzschindeln bestehende Dachhaut der Turmspitze ist schadhaft geworden. Der Turm erhält jetzt ein Schieferdach, das im November fertig gestellt ist. Die Arbeiten führt der Bremer Schiefedecker Wachsmuth durch. Knopf und Hahn werden neu vergoldet.

1869/70 Im Sommer 1869 findet eine gründliche Renovierung der Kirche statt. Offenbar werden auch die bereits 1778 eingebauten Emporen verändert. Im Sommer 1870 erhält das Gebäude einen neuen Innenanstrich.

1872 21. Januar: Einweihung der ersten Leester Kirchenorgel. Sie verfügt über 2 Manuale, 1 Pedal, 10 Register und 3 Nebenzüge. Hergestellt wurde sie von der Firma Philipp Furtwängler & Söhne in Elze.

1924 25. August: Die kleine Kirchenglocke, ein Geschenk der „Witwe Steinhard und ihrer Schwägerin“, wird neu gegossen und ersetzt die im ersten Weltkrieg eingezogene Glocke aus dem Jahr 1811.

1925 16. Juni: 3809 Mitglieder der evangelisch-lutherischen Kirche werden im Kirchspiel Leeste registriert. Die Einwohnerzahl der politischen Gemeinden Erichshof und Leeste (sie werden 1928 vereinigt) beträgt 3945.

1942 Am 23. März muss die 1924 gestiftete Glocke aus kriegs-
wirtschaftlichen Gründen abgeliefert werden. Mit einem Sammel-transport gelangt sie in die Zinnwerke Wilhelmsburg.

1945 Mitte April kommt es in Leeste zwischen deutschen und auf Bremen vorrückenden britischen Einheiten zu heftigen Bodenkämpfen. Dabei wird die Kirche durch Artillerie- und Panzerbeschuss in Mitleidenschaft gezogen. – Die Schäden an der Sakristei und am Dach des Kirchenschiffs können 1946 behoben werden. Die Reparatur des Kirchturms, dessen Ostseite während der Kämpfe schwer beschädigt wurde, folgt 1948.

1954 Erntedankfest: Neueinweihung der seit 1946 in fünf Bauabschnitten renovierten Kirche und der Friedhofskapelle.

1956 1. Januar: Die politische Gemeinde Leeste zählt 6729 Einwohner mit einem Anteil von 2157 Flüchtlingen, Vertriebenen und Evakuierten. Allein 6476 Bewohner gehören der evangelisch-lutherischen Kirche an. Im Laufe des Jahres erfährt die Orgel der Marienkirche eine Renovierung durch den Wilhelmshavener Orgelbauer Alfred Führer. Dabei werden drei neue Register eingebaut.

1957 Zum 1. März wird im Kirchspiel Leeste eine zweite Pfarrstelleeingerichtet, jedoch erst Ende 1959 besetzt. Dieser Seelsorgebezirkumfasst Leeste und Hagen, während der ersten Pfarrstelle die Ortsteile Angelse, Erichshof, Hörden und Melchiorshausen zugeordnet sind.

1957 2. Advent: Weihe der neuen kleinen Glocke, am 16. November von der Glockengießerei Otto in Hemelingen gegossen. Sie wiegt 720 kg und ist in „g“ gestimmt. Durchmesser und Höhe betragen 1,05 m. Meta Rumpsfeld geb. Holdhausen aus Leeste hat sie zum Andenken an ihren verstorbenen Ehemann gestiftet.

1964 Die Folgen von Sturmschäden im Jahr 1958 machen es notwendig, die Dachhaut des Turmhelms zu erneuern. Da das 1852 hergestellte Schieferdach bereits zweimal umgedeckt worden ist, entschließt man sich zu einer Neueindeckung mit Kupfer. Die Firma Turm-Linde aus Berlin führt die Arbeiten aus.
1968 2. August: Zweite Neueinweihung der nochmals renovierten Marienkirche. In zwei Bauabschnitten sind seit 1967 u.a. Fußböden, Gestühl, Warmwasserheizung, Lampen und Orgelmotor erneuert, der Eingangsbereich im Turm umgestaltet und durch Trockenlegung die Feuchtigkeit aus den Wänden gezogen worden. Zudem hat das Kircheninnere einen neuen Anstrich erhalten.

Vor 1976 Die Marienkirche erhält einen neuen Taufstein.

2009 24. August: Zwei neue Glocken werden von der Firma Albert Bachert in Karlsruhe gegossen. Die kleinere Glocke wiegt 700 kg, hat einen Durchmesser von 1.098 m, ist in „g“ gestimmt und trägt die Inschrift "Unserem Gott zur Ehre - uns Menschen zum Segen. Leeste anno domini 2009." Sie ersetzt die 1957 von Meta Rumpsfeld gestiftete Glocke, die infolge Materialermüdung einen Riss erhalten hat. Dank der großzügigen Spende des Leester Landwirts Karl-Heinz Ahrens und seiner Familie muss sie nicht eingeschmolzen werden und wird vor dem Kirchturm aufgestellt. Die größere Domenica wiegt 1.700 kg, ihr Durchmesser beträgt 1,479 m. Sie läutet den Ton „d“. Für ihre Inschrift ist Psalm 105,1 ausgewählt worden: "Danket dem HERRN und rufet an seinen Namen; verkündet sein Tun unter den Völkern. Leeste anno domini 2009."

2013 17. Juni: Der evangelisch-lutherischen Marien-Kirchengemeinde Leeste gehören 6006 Mitglieder an. Im Mai und Juni finden Reparaturarbeiten am Kirchturm statt. Dabei werden die Zifferblätter und der Wetterhahn erneuert, der Turmknopf restauriert. Die in der Kugel befindlichen Dokumente aus den Jahren 1852, 1948 und 1964 werden entnommen und durch Kopien ersetzt, während die Originale ins Pfarrarchiv gelangen.

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